#15 – Worte zum Sonntag

Heute mal ein etwas anderer Beitrag, der einen kleinen Einblick in mein Wochenende bietet und mich intensiv zum Nachdenken angeregt hat. Es geht um Freiwilligenarbeit. Gestern, als am Samstag den 08.12.2018 habe ich gemeinsam mit ein paar anderen einen Tag im Epilepsiezentrum Kleinwachau in Sachsen verbracht und den Bewohner einen Besuch beim dortigen Weihnachtsmarkt ermöglicht. Ich werde euch im Folgenden kurz erläutern, was ich dort erlebt habe und welche Gedanken ich mir dazu gemacht habe.

Seit 2008 besteht eine Kooperation zwischen der Offizierschule des Heeres und dem Epilepsiezentrum Kleinwachau. Soldaten Unterstützen bei verschiedenen Veranstaltungen und ermöglichen den Bewohner in Kontakt mit anderen Menschen zu treten und begleiten diese. In meinem Fall halfen wir in der Weihnachtszeit dabei, sie zum örtlichen Weihnachtsmarkt zu bringen und den Tag mit ihnen zu erleben. Nach einer kurzen Einweisung der Mitarbeiter an uns wurden wir auf verschiedene Bereiche zugeteilt. Ich wurde zum „Waldhaus“ geschickt, wo wir sofort mit den Bewohnern in eine nahe gelegene Sporthalle spaziert sind.

Das Eingangsschild des Waldhauses

Dort angekommen wurden die Bewohner auf eine Traumreise geschickt. Dazu wurde eine Geschichte erzählt und mit verschiedenen Klangschalen und Tönen verstärkt. Besonders hat mich neben der beruhigenden Atmosphäre die Reaktion der Bewohner fasziniert. Während einige sofort zur Ruhe kamen und fast regungslos der gesamten Geschichte zugehört haben, haben andere für mich merkwürdige Laute von sich gegeben und Bewegungen ausgeführt. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nur sehr wenig persönlichen Kontakt zu Menschen mit Epilepsie. Ich hatte anfangs das Gefühl, das es sie quält oder sie nach Aufmerksamkeit rufen. Allerdings habe ich anhand der Reaktionen der Betreuer festgestellt, das sie sich wirklich freuen und es nur so zum Ausdruck bringen können. Nach der einstündigen Traumreise habe ich mich mit einigen Betreuern und der Durchführenden unterhalten und sie erklärten mir, dass sie diese Klänge ganz unterschiedlich wahrnehmen. Aber auch diejenigen, die scheinbar keine Reaktion gezeigt haben, nehmen besondern Klänge und Gerüche viel intensiver wahr als ein Mensch ohne diese Behinderung. Deshalb sei es sehr wichtig, sie damit in Berührung zu bringen.

In der Pause zwischen der Traumreise und dem Besuch des Weihnachtsmarktes haben wir uns mit einigen Bewohner unterhalten. Da manche nicht sprechen könnten, zeigten uns die Betreuer andere Anzeichen und Techniken, mit ihnen zu interagieren. Einige zeigten uns ihre Wohnung und erzählten von ihrem alltäglichen Leben in der Gemeinde. Beeindruckend fand ich, dass die Menschen teilweise normale Arbeiten durchführten und Produkte herstellen, die in der normalen Wirtschaft verkauft werden. Eine Betreuerin meinte: „Unsere Produkte müssen nach normalen Standards und ISO-Normen hergestellt werden. Einen Bonus gibt es da nicht, nur weil Behinderte diese Arbeit gemacht haben. Vor allem in der Herstellung von medizinischen Gütern dürfen keine Fehler passieren.“ Ich hatte vor dem Besuch noch die Vorstellung, dass sie in einer Art „Beschäftigungstherapie“ basteln oder spielen würden. Dies sei aber schon seit über zehn Jahren nicht mehr der Fall. Die besten Bewohner werden nach einer Einarbeitungsphase auch an normale Betriebe ausgelagert und dürfen dort ihrer Arbeit nachgehen. Es ist dem Zentrum besonder wichtig, die Bewohner „zu behandeln und nicht nur zu betreuen“. 

Unsere Kooperation ist getragen vom gemeinsamen Verständnis über die unantastbare Würde eines jedes Menschen.

Abschließend sind wir gemeinsam zum Weihnachtsmarkt gegangen. Eine Bewohnerin habe ich im Rollstuhl geschoben und einer hat sich bei mir eingehakt. Ich war erstaunt, wo fit einige mit über 80 und ihrer Behinderung noch waren und langsam aber beständig laufen konnten. Mit der Bewohnerin konnte ich mich leider nicht verständigen, da ihre Behinderung zu stark wahr, allerdings konnte man mit dem Mann einige Worte reden. Im Gespräch mit anderen hat man erfahren, dass sich alle Bewohner auf den Weihnachtsmarkt gereut haben. Auch wenn es nur ein kleiner Markt war, so diese Erlebnisse für die Bewohner immer ein besonderes Ereignis. Auch die Betreuer freuen sich sehr über unsere Hilfe, denn alleine könnten sie nicht alle Bewohner zum Weihnachtsmarkt bringen.

Meinen letzten Absatz richte ich an die Betreuer. Ihnen gebührt mein voller Respekt. Tagtäglich betreuen sie die Bewohner und geben ihr Bestes, ihnen ein möglichst angenehmes Leben zu bieten. Sie organisieren so viele Veranstaltungen und lassen die Bewohner spüren, dass es sich lohnt weiterzukämpfen. Durch die ungünstige Lage auf einem Hügel müssen sie die Bewohner im Rollstuhl hochschieben, was selbst mit zum Schnaufen gebracht hat (Hier eine besondere Anerkennung an die Betreuerinnen, welche dies fast täglich machen müssen). Diese Arbeit ist keine leichte und ich bin dankbar für jeden, der sich dazu bereit erklärt. Diese Erfahrung hat für mich auf jeden Fall dafür gesorgt, meine Berührungsängste mit solchen Menschen zu lindern und den Respekt für die Leistungen bei der Betreuung behinderter Menschen gesteigert.

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