#20 – „Du verstehst mich nicht“

Kennt ihr diesen Satz? Vielleicht habt ihr ihn sogar selbst schon einmal benutzt. Er ist das letzte Ass im Ärmel, wenn man bei einer Diskussion nicht weiter kommt. Pubertierende Kinder nutzen ihn oft in einer Phase der Rebellion ihrer Eltern gegenüber. Streitende Lebenspartner werfen sich diesen Satz an den Kopf, wenn sie deprimiert sind und nicht die gewünschte Antwort ihres Gegenüber erhalten haben. Warum wir diesen Satz sagen und was ihr daraus lernen könnt, erfahrt ihr im heutigen Beitrag

Das Bedürfnis nach Verständniss

Eine gute Umarmung hilft bei jeder Trauer / pixabay.com

Wir alle sehnen uns nach Menschen, die uns verstehen. Wir wollen auf der gleichen Wellenlänge sein, emotional mit Menschen verbunden sein. Besonders in Phasen der Trauer geht es uns nicht darum, etwas rationales zu hören, auch wenn es uns weiterhelfen kann. Uns ist wichtig, dass wir unsere Gefühle rauslassen können und bestenfalls andere genauso fühlen wie wir. Deswegen ist es wichtig, manchmal einfach nur zuzuhören, keine Tipps zu geben und die Trauer/Wut einfach hinzunehmen. Gerade in der ersten Phase von Trauer und Wut ist man resistent gegen jegliche Vorschläge.

Verständnis bringt keine Lösungen

Im mehr von Trauer braucht man jemanden, der einem dem Weg weist / pixabay.com

Irgendwann kommt man allerdings an einen Punkt, wie Verständnis nichts mehr bringt. Ja, Trauer ist wichtig und jeder braucht auch unterschiedlich lange. Trotzdem muss man darüber hinwegkommen. Ganz besonders ist es in nicht ganz so negativen Dingen. Wenn man sich etwas nicht traut oder nicht weiß, wie man etwas angehen soll, dann sollte man die Vorschläge anderer annehmen. Ich kenne genug Menschen, die sagen, wie schlecht es ihnen geht und das „die anderen“ es ja viel besser haben. Wenn ich ihnen allerdings Lösungen aufzeige, kommt wieder der berühmte Kommentar „Ach weißt du was. Du verstehst mich einfach nicht. Wärst du in meiner Situation, wüsstest du auch nicht weiter.“ Das ist dann der Punkt, wo ich merke, dass der Mensch sich in seine Krankheit, Trauer oder Hilflosigkeit verliebt hat. Er möchte sich einfach schlecht fühlen. Vielleicht weil er Angst vor dem Unbekannten hat oder weil er es einfach so gewohnt ist, sich schlecht zu fühlen. Und ja, Depression kann eine Krankheit sein, das akzeptiere ich vollkommen. Allerdings wird man nicht gesund, indem man andere abblockt, die einem helfen wollen. Man wird auch nicht durch andere gesund. Man kann nur gesund werden, wenn man selber ausbrechen will und etwas verändern will.

Der Fehler moderner Erziehung

Viele Eltern erziehen so, dass sie sich selbst dabei gut fühlen / pexels.com

Zum Schluss noch ein Bereich, der mir in den letzten Jahren sehr deutlich wurde. Es geht um die Beziehung von Eltern zu ihrem Kind. Während die Erziehung früher noch sehr hierarchisch und streng durchgeführt wird, versuchen viele Eltern sich mit ihren Kindern gleichzustellen. Dies hat viele Gründe, aber ein wichtiger Punkt ist für mich, dass es sich als Elternteil besser anfühlt. Man erlaubt seinem Kind alles und wird dafür mehr geliebt und bekommt weniger schlechte Kommentare der Kinder. Sie weinen weniger und gerade in der Teenagerzeit der Kinder fühlen sich die Eltern wieder jung und hip. Sie wollen ihren Kindern immer Verständnis entgegenbringen und niemals etwas verbieten und befehlen. Das hat meiner Meinung den großen Nachteil, dass die Kinder schlechter auf das selbstständige Leben außerhalb des Elternhauses vorbereitet werden. Sie lernen nicht, sich an Regeln zu halten oder mit Kritik umzugehen. Es geht mittlerweile so weit, dass die Eltern die Schule auffordern, die Kinder nicht mehr zu erziehen, da es „Elternsache“ sei. Ja, wir leben nicht mehr in autokratischen Zeiten und Kinder sollen eine eigene Meinung vertreten, aber Eltern können nicht immer nur lieb und verständnisvoll ihren Kindern gegenüber sein. Ich sagte schön öfters zu den Menschen, welche in meiner Obhut standen:

Es ist es nicht meine Aufgabe, dass du mich magst. Meine Aufgabe ist es, dich gut zu erziehen.

Sönke Rückwardt

Gerade dieses Thema ist nur eine subjektive Meinung. Ich bin selber noch kein Vater und kann deshalb auch nicht sagen, wie ich mich verhalte. Dennoch habe ich eine eigene Vorstellung von Erziehung und praktiziere sie sowohl in meinem Beruf, als auch durch meine Hobbies. Ich kann mich an dieser Stelle nur bei meinen Eltern bedanken, die mich so erzogen haben, wie ich heute bin. Auch wenn mir zu dem Zeitpunkt nicht alles passte, so in ich heute ein selbstständiger und wissbegieriger Mensch, der die große Welt entdecken kann und wird. Nur durch ihre Erziehung war ich in der Lage, diesen Blog ins Leben zu rufen und mich auch mal aus meiner Komfortzone zu wagen. Danke!

0 Gedanken zu „#20 – „Du verstehst mich nicht““

  1. Ich, nein, wir als Eltern sind so stolz auf dich. Wer hätte von uns gedacht, dass du mal so inhaltlich gute Texte schreibst. Mach weiter, solange es dir gut tut und dies dein Leben erfüllt.

  2. Morgen Sönke
    Habe leider heute erst Zeit dir zu schreiben. Wir als Eltern waren schon immer Stolz auf unsere Kinder.Jeder wird seinen Weg im Leben gehen.Man kann als Elternteil ein wenig dazu beitragen, das es der richtige wird.Mach weiter so.Du bist auf dem richtigen Weg.Das Leben ist voller Überraschungen.

  3. Das Zitat von dir am hinteren Teil des Beitrages finde ich sehr spannend. Einerseits habe ich es selbst schon gelegentlich verwendet, andererseits konnte ich durch meine Tätigkeit als Erzieher auch feststellen, dass diese Einstellung auch eine kleine „Schattenseite“ besitzt, welche daraufhin eine riesige Menge Selbstreflexion bedarf. Und zwar, wenn der (ich nenne es jetzt mal: ) Schutzbefohlenen seinerseits nach dem Motto zu leben beginnt „Ich weiß nicht, ob deine Worte richtig sind, aber ich lebe jetzt danach, weil ich will, dass du mich magst.“ Und ab da an finde ich es manchmal sehr schwierig, das ein oder andere Kind zu erziehen und damit auf ein gutes und erfolgreiches Leben vorzubereiten.
    Selbst ich habe noch keine Patentlösung dafür und muss stets mich, meine Erziehung und jede Situation bei stets neu reflektieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.