#26 – Warum Geld nicht immer gleich ist

Wenn du 2 Einhundert-Euro Scheine nebeneinander liegen hast, sehen sie doch gleich aus, oder? Sie haben dann doch auch den gleichen Kaufwert, nämlich einhundert Euro. Trotzdem ist es möglich, dass beide Scheine einen unterschiedlichen Wert haben. Wieso das so ist und was man dagegen unternehmen sollte, gibt es im heutigen Artikel zum Thema „Geld hat einen eigenen Wert“.

Der Ursprung des Geldes

Die einzige wahre Funktion des Geldes ist die Tauschfunktion. Es wurde eingeführt um den Tausch von Waren zu vereinfachen und so jedem Menschen die Möglichkeit des Tausches zu ermöglichen. Davor wurden Güter wie Getreide, Vieh, Muscheln als Tauschmittel genutzt. Sie waren allgemein geschätzt und in beschränkter, aber nicht zu geringer Menge vorhanden. Aufgrund ihrer fehlenden Funktion als Zwischentauschmittel, wurde es schnell durch Schmuckstücke und Goldtaler ersetzt. Die Münzen hatten dabei noch einen intrinsischen Wert, da die Gewinnung und Herstellung sehr kostenintensiv war und so ein adäquater Gegenwert vorhanden war.

Im Mittelalter wurden dann die ersten Banknoten hergestellt, auf denen ein gedruckter Gegenwert in Münzen stand. Als die Herstellung der Banknoten immer einfacher wurde, entschieden sich viele Staaten zunächst für den sogenannten Goldstandard. Dieser besagt, dass jede Banknote durch den gleichen Wert an Gold und Schmuckstücken gedeckt sei und im Notfall jeder Schein gegen diese Mittel bei einer Notenbank tauschbar sei.

Durch die finanziellen Engpässe Anfang des ersten Weltkrieges wurde der Goldstandard weitestgehend abgeschafft und durch Fiatgeld ersetzt. Dieses besitzt keinen inneren Wert. Er wird durch Regierungen und zentrale Einrichtungen ermittelt und reguliert, um Inflationen zu verhindern.

Das „geschenkte“ Geld

Zu Beginn eine kleine Geschichte aus meinem Leben:

„Es war ein sonniger Nachmittag, als ich mit meinem Fahrrad unterwegs war. Plötzlich fand ich auf der Straße einen 10€ Schein. „Das muss mein Glückstag sein“, dachte ich und steckte ihn schnell in die Tasche. Als nächstes fuhr ich so schnell ich konnte in den Supermarkt im Dorf. Das musste gefundene Geld ja sofort wieder raus, also kaufte ich mir davon Süßigkeiten. Ich hätte es natürlich auch sparen können, aber dafür ist ja das Geburtstags- und Weihnachtsgeld da, das ich jedes Jahr bekomme. Ich hatte zwar auf meinem Sparkonto mehrere hundert Euro, aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, das gesparte Geld so etwas sinnloses wie Süßigkeiten auszugeben.“
Erst viel später viel mir auf, wie irrational doch mein Verhalten war. Geld ist doch Geld. Und zehn Euro auf meinem Konto haben doch den gleichen Wert wie zehn Euro, die ich auf der Straße gefunden habe. Aber so denken wir Menschen leider nicht. Wir behandeln Geld unterschiedlich, je nachdem welche Vergangenheit es hat.

Dazu zwei Fragen: Ihr habt zwei Jahre lang hart gearbeitet und 20.000€ nun auf ihrem Konto gespart. Was geschieht nun damit?
1. Ihr spart es auf der Bank
2. Ihr renoviert die heruntergekommene Küche oder tätigt andere wichtige Anschaffung.
3. Ihr leistet euch damit eine Luxuskreuzfahrt oder kauft einen Porsche. Die meisten werden wohl 1. oder 2. wählen.
Zweite Frage: Ihr seid Lottogewinner von 20.000 €. Was werdet ihr mit dem Geld tun? Schaut euch die obigen Antworten noch einmal an. Plötzlich werden viel mehr die 3. Antwort nehmen, denn sie müssen ja das gewonnene Geld feiern und sich belohnen.

Mit gewonnenem oder gefundenem Geld gehen wir anders, um als mit erarbeitetem. Dies gilt auch, selbst wenn es regelmäßige Sonderzahlungen sind, wie Weihnachtsgeld oder Übungsleiterpauschalen. „Von dem Weihnachtsgeld gönne ich mir mal einen richtig guten Urlaub“, sagte ein Kollege mal. Ich fragte daraufhin: „Wieso machst du deinen Urlaub von deinem Weihnachtsgeld abhängig?“ „Naja, weil das halt zusätzliches Geld ist. Das brauche ich ja nicht zum leben. Also kann ich das für Urlaube ausgeben“, erwiderte er.

Der Ökonom Richard Thaler nennt das den House Money Effect, die Tendenz, dass sich die Risikobereitschaft nach spekulativ erwirtschafteten Gewinnen erhöht. Der verbreitete Ausdruck dafür ist „wie gewonnen, so zerronnen“. Viele Firmen und Werbeagenturen machen sich diesen Effekt zu nutze und werben mit geschenktem Geld. „100 Euro, wenn sie ein Konto bei uns eröffnen“, heißt es bei vielen Banken.

Geld ist Geld – und so soll es auch bleiben

Um diesem Denkfehler entgegenzuwirken ist die Lösung so simpel wie eindeutig: Geld ist Geld und sollte gleich betrachtet werden. Ich weiß, das ist nicht leicht und manchmal erwische ich mich selbst noch dabei, Geld verschiedenen Bedeutungen zuzuschreiben. Aber wichtig ist, dass jegliches Geld erst einmal in einen gemeinsamen Topf kommen sollte (beispielsweise euer Bankkonto oder eure Geldbörse). Danach müsst ihr gedanklich aktiv (und die Betonung liegt hier auf aktiv, da wir es passiv nicht schaffen werden) das Ereignis des Findens, der Schenkung oder wie auch immer ihr an das Geld gekommen seid, abschalten und es als normale Einnahmequelle abspeichern.


Abschließend möchte ich noch einmal sagen, dass es nicht darum geht, sich mal etwas zu gönnen oder sein Geld mal für kurzfristige Freuden auszugeben. Wichtig dabei ist nur, dass ihr es bewusst mit eurem ganzen Geld tut, also quasi euer erarbeitetes Geld. Dabei ist die Form und Härte der jeweiligen Arbeit egal, denn auch eine Schenkung erfolgte nur durch irgendeine vorherige Arbeit. Betrachtet also das Ausfüllen eines Lottoscheines genauso als Arbeit und den daraus resultierenden Gewinn als Lohn, wie euren täglichen Job.


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Weiterführende Links

Rolf Dobelli – Die Kunst des Klugen Handelns; 52 Irrwege, die sie besser anderen überlassen

0 Gedanken zu „#26 – Warum Geld nicht immer gleich ist“

  1. Wirklich ein toller Beitrag. Ich versuche auch so zu leben, weil ich mir dieses psychologischen Effekts bewusst bin, aber es klappt nicht immer. Nun sind 20.000€ halt auch eine andere Dimension als 20€.

    1. Ja das stimmt, aber wer es im kleinen schon nicht schafft, dem wird es auch bei großen Beträgen schwer fallen, das Geld „nackt“ zu betrachten und nicht die Vorgeschichte in den Entscheidungsprozess mit einfließen zu lassen.

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