#28 – Kleider machen Leute

„Zeig mir deinen Kleiderschrank und ich sage dir wer du bist“: ganz nach diesem Motte richtet sich mein heutiger Artikel. Ist es wichtig, wie man heutzutage gekleidet ist? Beeinflusst es unser Auftreten? Oder ist am Ende doch nur wichtig, wie wir uns darin fühlen und welches Selbstbewusstsein wir ausstrahlen. Inwieweit du deinen Stil den Normen und Gepflogenheiten anpassen solltest und wie du dabei auf andere wirkst, erfährst du im heutigen Beitrag.

Der Anzug – „Rüstung“ der Neuzeit

Der moderne Anzug für verschiedenste Anlässe / pixabay.com

Zeitlos, elegant und formell. Der klassische Dreiteiler: Hemd, Hose und Sakko. Auch wenn er in verschiedenen Farben, Formen und Schnitten hergestellt wird, ist der Anzug selbst in der heutigen Generation der Freiheit und Selbstbestimmtheit ein Symbol für Anstand, Seriosität und Stil. Auch Menschen, die selber keinen Anzug tragen oder nicht gerne tragen, zeigen Menschen mit Anzügen Respekt und haben eine gewisse Erfurcht vor ihnen. Anzüge suggerieren Professionalität und sicheres Auftreten. Ihr glaubt mir nicht? Dann fragt euch einmal selbst, welche Einstellung ihr zu Ärzten, Bankern und Steuerberatern habt? Klar, haben diese Personen meist ein umfangreiches Wissen, aber das erkennen wir erst in einem persönlichen Gespräch. Schon vor einem Gespräch halten wir diese Menschen für kompetent. Ich selbst erwische mich nur zu oft dabei, jemanden mit einem Anzug (gleiches gilt übrigens auch für Uniformen bei Anwälten, Polizei, Bundeswehr, etc.) ein höheres Wissen und Kompetenz zuschreibe, bevor ich mich mit ihm unterhalten habe. Das ist eine große Falle, da Personen mit wenig oder keinem Wissen in dem gefragten Bereich fälschlicherweise trotzdem diesen Bonus bekommen. Andersherum ist es genauso. Ich gehe erst einmal mit Skepsis und Abneigung in ein Gespräch mit einem Steuerberater, wenn er mich mit einem ausgewaschenen T-Shirt und einer Jogginghose begrüßt. Wir Menschen haben also eine gewisse Erwartung, wie bestimmte Berufsgruppen sich zu kleiden haben. Nicht umsonst gibt es einen Dresscode in Unternehmen oder bestimmten Abteilungen. Aber Kleidung hat nicht nur Einfluss auf andere, sondern auch auf uns selbst. Dazu ein kleiner persönlicher Erfahrungsbericht:

Früher habe ich Anzüge gehasst. Sie waren nicht bequem und ich war nicht so beweglich wie in Jogginghose und T-Shirt. Außerdem hatte ich nur schlechte Erinnerungen mit Anzüge, da sie immer nur an für mich langweilige Ereignissen getragen wurden (Beerdigungen, Geburtstage von alten Leuten, irgendwelche anderen feierlichen Ereignisse). Deshalb fühlte ich mich auch nicht wohl darin. Aber mit der Zeit bekam ich die Art mit, wie Menschen mich ansahen, wenn ich einen Anzug trug. Ich wurde nicht mehr als kleiner Teenager angesehen, der draußen rum tollt, sondern als selbstbewusster Mann. Dies gab mir wiederum mehr Selbstbewusstsein, sodass ich anfing, gerne ab und zu Anzüge zu tragen. Heute sehe ich es nicht mehr als Zwang sondern als Gelegenheit, mich extra entgegengesetzt zu meinem Alltag zu kleiden und die Wahrnehmung der Menschen aufzunehmen, die mich sonst immer nur lässig kennen. Der einzige Unterschied zu damals ist nur meine eigene Wahrnehmung und meine Entscheidung, wie ich mich in Anzügen fühle. Heute fühle ich mich selbstbewusster und in einer gewissen Art motivierter, auf andere zu zugehen und mit ihnen zu reden, wenn ich einen Anzug trage.

Natürlich kommen jetzt die Gedanken wie „Sei du selbst, finde deinen eigenen Stil und stehe selbstbewusst dazu, dann werden dich alle akzeptieren“. Dem stimme ich zu. Aber es ist ein Unterschied, ob man von anderen akzeptiert/respektiert wird, oder ob man als kompetent wahrgenommen wird.

Der eigene Stil

Gelb als gewagte Farbe, ab er dafür sehr herausstechend / pexels.com

Natürlich möchte ich durch den letzten Artikel den eigenen Stil nicht klein reden. Aber was ist eigentlich der eigene Stil und wie findet man ihn?

Für mich ist der eigene Stil jene Kleidung, in der man sich wohl fühlt. Es ist das, worauf ich gerade Lust habe. Dementsprechend, bin ich auch kein Fan davon, dass man sich seinen Stil „suchen“ muss. Man hat ihn einfach. Genauso ist er aber auch kein starres und an Farben und formen festgenageltes Konzept, anhand man sich neue Kleidung aussuchen muss. Es ist ein fließende und sich ständig verändernder Prozess an, der je nach Stimmung, Lebenslage und Erfahrungen angepasst wird.

Ich lebe auch nach dem Motto, dass jeder seinen eigenen Stil hat. Man kann ihn also nicht von einem anderen aufgedrückt bekommen. Es ist immer die eigene Entscheidungen, etwas anzunehmen oder abzulehnen. Wenn euch eure Freunde oder Familie nachdrücklich eintrichtern wollen, dass ihr doch dieses oder jenes Kleidungsstück kaufen solltet, „weil es ja so sehr zu deinem Stil passt“, dann seid ihr es, der es annimmt oder eben nicht.

Am Ende zählt nur, wie ihr euch da drin fühlt. Und das ist ebenso eine Entscheidungssache. Wie im Beispiel mit Anzügen habe ich mir irgendwann einfach gesagt „Anzüge sind cool und bequem“. Bestes Beispiel ist meine Freundin. Sie hat anfangs nur Schwarz und Grau getragen, weil sie glaubte, nur da fühle sie sich wohl. Aber dann traf sie die Entscheidung auch mal knallige Farben und nicht ganz so konservative formen auszuprobieren. Sie hat zu sich selbst gesagt „ich fühle mich da drin gut und darf das tragen“ und schon ist es passiert. Und nicht nur, dass sie sich wohl fühlt, sie bekommt auch von ihrem Umfeld das Feedback, das sie darin gut aussehe.

Probiert euch also aus, macht verrückte Sachen und seht euren Stil nicht als starres Konzept und in Stein gemeißelt. Betrachtet ihn als ständig verändernde und interessante Mischung aus allen Möglichkeiten.

Passe dich an, aber verbiege dich nicht

Was soll ich aber nun wann tragen? Anzug bei Bewerbungen und Jogginghose zuhause? Das ist eine wirklich schwierige und nicht pauschal beantwortbare Frage. Ihr müsst euch meiner Meinung nach der Situation anpassen. Je nach eurer Intention würde ich es in 3 Situationen einteilen:

  1. Ihr wollt kompetent wirken
  2. Ihr wollt freundlich und empatisch wirken
  3. Ihr wollt euch als Person zeigen

Im ersten Fall solltet ihr euch vorher überlegen, welche Funktion ihr bei der kommenden Situation einnehmt. Sollt ihr jemanden etwas beibringen oder geistige Fähigkeiten vermitteln, macht ein gepflegtes und gehobenes Outfit Sinn, da ihr dadurch mehr Kompetenz suggeriert. Der zweite Fall soll Situationen abdecken, bei denen ihr euch in die andere Person hineinversetzen müsst, z.B. bei persönlichen Gesprächen. Dort solltet ihr euch dem Stil des Gegenübers anpassen (sofern ihr vor dem Treffen Informationen habt). Auch bei Verkaufsgesprächen ist dieser Aspekt wichtig, da euch der potenzielle Kunde mehr vertraut, wenn ihr einen ähnlichen Stil habt. Der dritte Fall deckt dann Fälle ab, wo ihr euch als Person behaupten müsst und euren Charakter zum Ausdruck bringen müsst. Dort solltet ihr euren ganz persönlichen Stil anziehen und diesen auch gegen Druck von außen behaupten. Selbst wenn man euch anfangs mit Skepsis gegenüber tritt, so wird man euch später für euren Stil bewundern und diesen auch erwarten. Wenn ihr bei der Arbeit mit Menschen tagtäglich nicht euren Stil tragt, dann habt ihr euch nicht die Energie, die es benötigt, um Menschen zu überzeugen oder zu begeistern.

Dies war nur ein kurzer Anriss über das Thema. Es gibt viele Bücher und wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema und würde den rahmen dieses Artikels übersteigen. Aber wichtig ist, das es großen Einfluss auf unsere Umgebung hat und wie wir von anderen wahrgenommen werden. Daher sollte man das Thema nicht leichtfertig in den Hintergrund schieben sondern aktiv damit beschäftigen. Mit der richtigen Kleidung zum richtigen Zeitpunkt kann man große Erfolge aber auch Misserfolge fördern.


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Weiterführende Literatur

Jack Nasher – Überzeugt

0 Gedanken zu „#28 – Kleider machen Leute“

  1. Ich hab mal wieder richtig gelacht. Danke!

    Wer seiner Umgebung gefallen möchte, leidet wohl stark unter Minderwertigkeitskomplexen, was die „korrekte“ Kleidung wohl kompensieren soll.

    Du tust mir ein wenig leid, aber das wird dich auch nicht trösten. LG PP

    1. Freut mich, dass du etwas zu Lachen hattest. Hast du meinen Beitrag überhaupt gelesen? Ich erwähne nirgendwo, dass man seiner ganzen Umgebung gefallen sollte, man sollte sich nur in gewissen Umgebungen anpassen. Wenn du dem nicht zustimmst, dann kann ich das nachvollziehen. Jeder hat seine eigene Meinung. Danke für deinen Kommentar
      Beste Grüße Sönke

  2. Ich hab mich schon richtig ausgedrückt. Aber richtiges Lesen ist nicht jedem gegeben. Vielleicht willst du aber auch durch Wortklaubereien Recht behalten. Wer den eigenen Stil gefunden hat, der muss sich nirgends anpassen, der kommt überall an. Aber ich kenne deine Binsenweisheiten und weiß auch, aus welchen Büchern du sie dir angelesen hast. Nach deinem Bild jedenfalls würde ich dich nicht anstellen und etwas Gescheites gelernt wirst du auch nicht haben. Wer nichts wird, wird Coach .. Hahahaha 😉

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