#34 – Aufschieben ist Gift fürs Gehirn

Jeder hat sicherlich schon einmal der Versuchung nachgegeben, etwas aufzuschieben. Seien es die Hausaufgaben in der Schule, der Besuch bei den Verwandten oder endlich mal die Steuererklärung zu machen. Alles Dinge, die wir auch noch in der Zukunft machen können. Schließlich haben wir ja noch Zeit, bis der Lehrer, die Verwandten oder das Finanzamt meckern. Doch wir begehen dabei einen schrecklichen Fehler und schaden langfristig sogar unserem Gehirn. Warum ihr daher eure Aufschieberitis ablegen solltet, erfahrt ihr im heutigen Beitrag.

Morgen ist auch noch ein Tag

Die Vermeidung und das Aufschieben von Tätigkeiten wird umgangssprachlich als Aufschieberitis bezeichnet. Prokrastination, aus dem Lateinischen „für Morgen“ übersetzt, ist die wissenschaftliche Bezeichnung dieser Tätigkeit. Meist tritt sie bei unangenehmen Tätigkeiten oder zeitintensiven Aufgaben auf. Dabei schauen wir immer darauf, wie viel Zeit uns für die jeweilige Tätigkeit noch bleibt. Nicht selten warten Menschen daher bis zum Punkt, wo der Zeitdruck am größten ist und erledigen die Aufgabe dann unter Stress und die Qualität ist minderwertig (auch wenn sie selbst das Ergebnis als zufriedenstellend bezeichnen würden).

Viele behaupten sogar, dass sie absichtlich eine Arbeit aufschieben, da sie unter Zeitdruck viel besser arbeiten können und ohne den Druck einfach keine Motivation haben, etwas zu starten. Ich habe dieses Phänomen bei mir selbst auch schon erlebt, weiß aber heute, dass erstens die Qualität häufig leidet, da die Zeit nicht mehr für ein hochwertiges Ergebnis ausreicht oder ich mich einem ungesunden Stress aussetze. Außerdem habe ich gemerkt, dass die vermeintliche Zeitersparnis, die ich vorher durch das Aufschieben gewonnen habe, nur eine trügerische Zeiteinsparung ist. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.

Je öfter, desto gefährlicher

Wir nutzen das Aufschieben, um die gegenwärtige Arbeit aus dem aktuellen Fokus zu rücken. Das Problem dabei ist, dass wir die Gedanken an die Erledigung der Aufgaben weiterhin in unserem Gehirn haben, sie läuft also quasi im Hintergrund weiter. Das blockiert unser Gehirn und die Leistung nimmt ab. Außerdem sorgt die Nichterfüllung dieser Aufgabe, die meist eine wichtige oder kritische Aufgabe ist, für eine angespannte oder gestresste Grundhaltung im Alltag. Unterbewusst wissen wir „Da muss ja noch was erledigt werden“. Das behindert uns ebenfalls bei allen Tätigkeiten und lässt Qualität und Quantität sinken.

Das dritte und wahrscheinlich gefährlichste Problem ist die Wiederholung der Prokrastination. Durch das ständige Aufschieben suggerieren wir unserem Gehirn, dass es okay ist, eine Aufgabe nach hinten zu schieben. Das macht die Überwindung, endlich damit anzufangen von Mal zu Mal größer. Häufig geschieht die Prokrastination dadurch über den maximalen Zeitpunkt des Aufschiebens hinweg, sodass die verbliebene Zeit gar nicht mehr ausreicht oder wir so viele anderen Tätigkeiten, die auch wichtig sind, nach hinten schieben. Diese Bugwelle, die wir vor uns aufbauen, wird immer größer und wird irgendwann so groß sein, dass manche Tätigkeiten gar nicht mehr erfüllt werden können. Dadurch enttäuschen wir uns selbst oder andere, obwohl wir das vor ein paar Monaten doch ganz anders geplant hatten.

Einfache Tricks um Prokrastination zu vermeiden

Das Aufschieben zu meiden erfordert eine menge Selbstdisziplin. Besonders wenn man schon oft etwas aufgeschoben hat, kommt man alleine wohl nicht mehr aus dem Teufelskreis. Allerdings habe ich für mich zwei ganz gute Methoden gefunden, mit denen ich wirklich wichtige Aufgaben zeitgerecht und ohne großen Stress erledigen kann:

  1. Teile die Aufgabe in möglichst viele kleine Teilaufgaben ein
  2. Erzähle Freunden oder Verwandten davon

Beides sind jetzt keine komplizierten Sachen. Dürfen sie auch nicht sein, denn ansonsten wären uns die Schritte viel zu anstrengend. Jeder kann die Aufgabe, die er vor sich hat, in Teilaufgaben einteilen. Wichtig dabei ist, dass er den einzelnen Aufgaben eine Zeitliche Frist setzt, welche auch nicht zu weit in der Zukunft liegen (Am besten sollte man heute mit dem ersten Punkt beginnen können, egal wie klein er ist). Der zweite Punkt erfordert dann etwas Überwindung. Nicht weil es an sich schwierig ist, über seine Aufgaben zu reden. Das Problem daran ist, dass man sich dann Ausreden einfallen lassen muss, wenn man die Fristen nicht einhält. Da ist es für viele einfacher, gar nicht erst die Teilaufgaben zu erwähnen und wieder zu prokrastinieren. Das bringt einem aber seinen Zielen nicht wirklich weiter. Deswegen habt den Mut und teilt eurer Familie, eurem Partner oder euren Freunden eure Aufgaben und Teilaufgaben mit. Bittet sie außerdem euch regelmäßig danach zu fragen und euch zu sagen, dass ihr euch unbedingt an diese Fristen halten müsst. Zwingt euch selbst, euch von anderen helfen zu lassen.

Und wenn ihr ohne Druck nicht arbeiten könnt? Wenn euch eine Aufgabe, die ihr erst in einem Jahr erfüllen müsst, viel zu weit weg ist? Dann legt das Ziel einfach nach vorne und sagt, dass ihr es in einem halben Jahr schaffen müsst. Teilt es wieder euren Bekannten mit und redet es euch selbst ein. So erzeugt ihr euren geliebten Druck und verschwendet nicht das nächste halbe Jahr daran, unterbewusst an die Aufgabe zu denken und euch damit unnötigem Stress auszusetzen. Schließt die Aufgabe früher ab und befreit euch von eurem Stress.


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0 Gedanken zu „#34 – Aufschieben ist Gift fürs Gehirn“

    1. Ja, das ist richtig. Und ein zwei mal etwas aufschieben, weil wirklich wichtige Sachen dazwischen kommen ist was ganz anderes, als es immer wieder zu tun. Du sagst vollkommen richtig, dass es auf das „bewusste“ verschieben ankommt 🙂

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